Abmahnung, was tun?

Reagieren Sie nicht vorschnell.

Vermeiden Sie Gefühlsausbrüche

 

Lassen Sie sich keinesfalls durch die Abmahnung selbst oder durch das Verhalten Ihres Vorgesetzten bei der Übergabe zu einer spontanen Äußerung hinreißen. Bei der Übergabe der Abmahnung an Sie sollten Sie jede spontane Reaktion vermeiden. Überlegen Sie lieber in Ruhe, was Sie tun können und wollen. Sie müssen nicht schnell reagieren, denn es gibt keine Fristen, um sich gegen eine Abmahnung zu wehren. Am besten lassen Sie sich von einem versierten Rechtsanwalt für Arbeitsrecht beraten.


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Sagen Sie möglichst nichts zur Sache

 

Eine Abmahnung wird oft persönlich übergeben. Dabei sollten Sie soweit möglich jede Äußerung zu dem abgemahnten Vorfall vermeiden. Das gilt für sämtliche etwaigen Rechtfertigungs- und Erklärungsversuche, so schwer es Ihnen vielleicht auch fällt. Ein Arbeitgeber oder Vorgesetzter, der sich zum Ausspruch einer Abmahnung entschlossen hat, lässt sich ungern sagen, dass dies falsch war. Zudem müssen Sie befürchten, dass Ihre Aussagen und Erklärungen falsch verstanden oder bewusst falsch aufgenommen und später gegen Sie verwendet werden. Im Übrigen sind die Wut und der Ärger, die eine Abmahnung bei Ihnen auslösen kann, ein schlechter Ratgeber.

 

Versuchen Sie Zeit zu gewinnen

 

Werden Sie zur Stellungnahme zu den Vorwürfen oder zur Erklärung Ihres Verhaltens aufgefordert, sollten Sie versuchen Zeit zu gewinnen und hinhaltend reagieren.

 

Beispiel:   „Ich bin so schockiert, ich kann dazu jetzt gar nichts sagen.“

 


Wichtig!

Es schadet nicht, den Erhalt einer Abmahnung durch seine Unterschrift zu bestätigen.

Den Erhalt können sie bestätigen

 

Häufig wird von Ihnen bei Übergabe der schriftlichen Abmahnung verlangt, dass Sie auf einer Kopie den Erhalt durch Ihre Unterschrift bestätigen.

 

Beispiel:   „erhalten am …“

 

Dagegen bestehen keine Bedenken. Schon um weitere Diskussionen und weiteren Ärger zu vermeiden, sollten Sie unterschreiben.


Wichtig!

Achten Sie darauf, dass Sie sich durch Ihre Unterschrift nicht mit dem Inhalt der Abmahnung einverstanden erklären, sondern nur deren Erhalt bestätigen.

Aber Vorsicht

 

Keinesfalls sollten Sie aber durch Ihre Unterschrift bestätigen, dass sich der Vorfall so ereignet hat, wie es in der Abmahnung steht. Zuweilen versuchen Arbeitgeber dies. Ebenso wenig sollten Sie später eine Erklärung unterschreiben, wonach Sie die Abmahnung akzeptieren.

 

Beispiel:   „Ich akzeptiere die Abmahnung.“

 

Überstürzen Sie nichts

 

Es gibt keine Fristen, um sich gegen eine Abmahnung zu wehren. Deshalb sollten Sie jede übereilte mündliche oder schriftliche Stellungnahme vermeiden. Sie haben genug Zeit zum Überlegen und um sich ggf. in einer Kanzlei für Arbeitsrecht von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten zu lassen. Er kann Ihnen eine Stellungnahme bzw. Gegendarstellung für die Personalakte entwerfen.

Überlegen Sie, was genau passiert ist

 

Versuchen Sie sich – ggf. mit etwas Abstand und Ruhe – genau an den Vorgang zu erinnern. Überlegen Sie insbesondere, ob die anderen Beteiligten möglicherweise etwas missverstanden haben oder etwas anders wahrgenommen haben als Sie. Denken Sie darüber nach, ob und ggf. wer möglicherweise für den Arbeitgeber als (falscher?) Zeuge zur Verfügung stehen könnte und wer für Sie als Zeuge aussagen könnte (und auch würde?).


Unser Tipp:

Notieren Sie Ihre Erinnerungen zum Vorfall, damit Sie nichts vergessen.

Schreiben Sie alles auf

 

Sie sollten die eigenen Eindrücke und Erinnerungen baldmöglichst aufschreiben, damit Sie sie bis zu einem etwaigen späteren Arbeitsgerichtsprozess nicht vergessen haben oder sich dann nicht mehr genau daran erinnern können. Am besten beginnen Sie mit den Aufzeichnungen schon, wenn Sie etwas zur Ruhe gekommen sind. Sie sollten sie ggf. später ergänzen und zwar um die Umstände, die ihnen erst später wieder einfallen oder die Sie erst später erfahren, bspw. von Kollegen.


Unser Tipp:

Schließen Sie ggf. eine Rechtsschutzversicherung ab.

Schließen Sie möglichst bald eine Rechtsschutzversicherung ab

 

Eine Abmahnung ist oft der erste Schritt zu weiterem Streit und zur Kündigung. Wenn Sie (noch) nicht rechtsschutzversichert sind, sollten Sie deshalb sofort nach dem Erhalt einer Abmahnung überlegen, ob Sie nicht besser bald eine solche Versicherung abschließen. Bedenken müssen Sie dabei auch, dass Rechtsschutzversicherungen in der Regel erst 3 Monate (manche auch erst 6 Monate) nach Ihrem Abschluss erstmals eintreten.

Diese Möglichkeiten haben Sie:

 

  • Sie können die Abmahnung ignorieren und einfach abwarten.
  • Sie können das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber suchen, um die Sache wieder „einzurenken“.
  • War die Abmahnung berechtigt, sollten Sie überlegen, ob Sie sich „gesichtswahrend“ entschuldigen.
  • Sie können den Betriebsrat um Vermittlung bitten.
  • In einer Gegendarstellung können Sie Ihre Sicht der Dinge schildern und Ihr Verhalten zu erklären versuchen.
  • Ist die Abmahnung unberechtigt oder weist sie formale Fehler auf, können Sie ggf. auf Entfernung der Abmahnung aus Ihrer Personalakte klagen.

 

Welches Vorgehen am besten ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Es kommt immer auf Ihre besondere Situation an. Zuverlässig beurteilen kann dies nur ein erfahrener Anwalt für Arbeitsrecht.


Unser Tipp:

Wer (noch) keinen Kündigungsschutz besitzt oder befristet eingestellt ist, sollte lieber nichts unternehmen.

Hier unternehmen Sie besser nichts

 

Auf jeden Fall sollte bspw. ein Arbeitnehmer, der sich noch in der Probezeit befindet oder (noch) keinen Kündigungsschutz besitzt, nichts tun und „die Füße still halten“. Mit einem Gespräch kann er die Sache möglicherweise nur verschlimmern. Jedenfalls wenn der Arbeitgeber zu Recht abgemahnt hat, ist es hier fast immer sinnvoll, sich „gesichtswahrend“ zu entschuldigen.

 

Ähnliches gilt auch für befristet Beschäftigte. Wehren Sie sich gegen eine Abmahnung, müssen Sie befürchten, dass Ihr Vertrag schon deshalb nicht verlängert wird.

 

Lassen Sie sich beraten

 

In allen anderen Fällen, sollte man zunächst sorgfältig prüfen oder von einem erfahrenen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht prüfen lassen, ob die Abmahnung berechtigt ist oder nicht. Erst dann sollten Sie entscheiden, was Sie tun wollen.

Bei formalen Mängeln sollten Sie lieber nicht klagen

 

Ist die Abmahnung in Ihren Augen zumindest möglicherweise berechtigt, sollten Sie nicht dagegen klagen. Das gilt selbst dann, wenn die Abmahnung offensichtliche Fehler aufweist, wenn sie also bspw. nicht präzise genug formuliert ist oder wenn sie nicht alle von den Arbeitsgerichten verlangten Bestandteile enthält. Wenn Ihr Arbeitgeber zur Entfernung der Abmahnung aus der Personalakte verurteilt wird oder wenn er im Prozess seine(n) Fehler erkennt, kann er die Abmahnung problemlos wiederholen.


Wichtig!

Der Arbeitgeber kann die Abmahnung wiederholen.

Den gleichen Fehler macht Ihr Arbeitgeber nämlich nicht noch einmal

 

Dann wird er dieselben Fehler natürlich nicht noch einmal machen. Mit einer Klage können Sie Ihrem Arbeitgeber in diesen Fällen also sogar „helfen“, doch noch wirksam abzumahnen. Allein deshalb sollten Sie hier die Finger von einer Klage lassen. Ein erfahrener Anwalt für Arbeitsrecht wird Ihnen dies regelmäßig raten und Ihnen sagen, was Sie dann am besten tun. Hält er eine Gegendarstellung für sinnvoll, wird er sie Ihnen mit seiner Erfahrung als Anwalt für Arbeitsrecht entwerfen oder sie für Sie schreiben und an Ihren Arbeitgeber schicken.


Schreiben Sie deshalb bei formalen Mängeln lieber eine Gegendarstellung

 

Bei formalen Mängeln ist es meist besser eine Gegendarstellung für die Personalakte zu schreiben. Ihr Arbeitgeber muss sie zur Personalakte nehmen (§ 83 BetrVG). In Ihrer Gegendarstellung können Sie Ihre Sicht der Dinge darstellen und versuchen die gegen Sie erhobenen Vorwürfe zu entkräften oder Dinge vorbringen, die Ihr Verhalten in einem für Sie günstigen Licht erscheinen lassen. Zumindest sollten Sie versuchen, die Vorwürfe abzuschwächen und zu relativieren.

 

Manchmal hilft es schon den eigenen Fehler zu erklären

 

Hilfreich kann es sein zu erklären, wie es zu Ihrem Fehler gekommen ist. Sie können auch deutlich machen, dass es sich um einen einmaligen Fehler handelt. So können Sie bspw. auch einem falschen Eindruck über Ihre Arbeitsweise entgegenwirken. Das ist auch mit Blick auf künftige Gehaltsverhandlungen sinnvoll.

 

Damit Sie mit Ihrer Gegendarstellung nicht alles noch schlimmer machen, sollten Sie sich in einer Kanzlei für Arbeitsrecht von einem erfahrenen Anwalt für Arbeitsrecht beraten lassen.

 

Eine Gegendarstellung kann auch bei formalen Fehlern der Abmahnung gut sein

 

Bei formalen Fehlern in einer berechtigten oder möglicherweise berechtigten Abmahnung müssen Sie nicht unbedingt eine Gegendarstellung schreiben. Die Abmahnung kann Ihnen eigentlich schon wegen der formalen Fehler nicht gefährlich werden. Allerdings können Sie nicht immer sicher sein, ob ein Arbeitsgericht die Abmahnung nicht später doch für wirksam hält.

 

Außerdem kann es Einfluss auf die „Stimmung“ in einem möglichen späteren Kündigungsschutzprozess haben, wenn Sie der Abmahnung dort zum ersten Mal mit dem Hinweis entgegentreten, es liege nur eine unbedeutende oder gar keine Pflichtverletzung vor.

 

Eine zeitnahe Gegendarstellung kann später zu einer höheren Abfindung führen

 

Dagegen macht es einen viel besseren Eindruck, wenn Sie auf eine zeitnahe Gegendarstellung mit Ihrer Sicht der Dinge verweisen und Sie dem Arbeitsgericht vorlegen können. Das gilt natürlich besonders, wenn Sie darin bspw. Ihr Fehlverhalten überzeugend als das Ergebnis einer Verkettung unglücklicher Umstände, für die Sie nur zu einem kleinen Teil verantwortlich waren, dargestellt haben.


Wichtig!

Schreiben Sie eine Gegendarstellung, erhalten Sie deshalb vielleicht später eine höhere Abfindung.

Das Gericht weiß später nicht, was wirklich passiert ist

 

Das Gericht wird den Vorfall nicht aufklären, denn die Abmahnung entfaltet ja bereits aus formalen Gründen keine Wirkung. Wenn das Arbeitsgericht aber zur Beendigung des Kündigungsschutzprozesses – wie üblich – eine Abfindung vorschlägt, wird es bei deren Höhe regelmäßig im Auge behalten, wie schwerwiegend oder geringfügig das abgemahnte Verhalten seiner Meinung nach gewesen ist. Das hängt aber oft davon ab, ob Sie frühzeitig eine überzeugende Gegendarstellung geschrieben haben oder nicht.

Vielleicht hilft schon ein klärendes Gespräch

 

Bei einer eindeutig unberechtigten Abmahnung sollten Sie überlegen, ob Sie die Sache im Gespräch klären wollen, möglicherweise unter Einbeziehung des Betriebsrats. Gelingt dies nicht, oder versprechen Sie sich davon nichts, können Sie auf Entfernung der Abmahnung aus Ihrer Personalakte klagen.


Unser Tipp:

Klagen Sie nicht zu schnell, das kann der „Anfang vom Ende“ Ihres Arbeitsverhältnisses sein.

Eine Klage will gut überlegt sein

 

Ehe Sie klagen, sollten Sie gut überlegen, ob Sie es nicht besser bei einer Gegendarstellung belassen. Denn durch eine – zumal erfolgreiche – Klage wird Ihr Arbeitsverhältnis noch mehr belastet oder vielleicht endgültig zerrüttet. Das ist nicht unwahrscheinlich, denn kein Arbeitgeber lässt sich gern – noch dazu in einem Gerichtsurteil – bescheinigen, dass er etwas falsch gemacht hat. Eine Klage gegen eine eindeutig unberechtigte Abmahnung kann deshalb leicht endgültig „zum Anfang vom Ende Ihres Arbeitsverhältnisses“ werden.

 

Sie müssen nicht klagen

 

Sie müssen nicht klagen. Nach Meinung des Bundesarbeitsgerichts sind Sie nicht verpflichtet, sich gegen eine unberechtigte Abmahnung zu wehren. Deshalb können Sie – sofern es später zu einer Kündigung kommt – auch noch im folgenden Kündigungsschutzprozess geltend machen, die Abmahnung sei unwirksam oder zu Unrecht ausgesprochen worden und die Kündigung sei deshalb unwirksam. Rechtliche Nachteile müssen Sie dabei nicht befürchten. Allerdings sollten Sie nicht unterschätzen, dass Ihr Untätigbleiben später beim Arbeitsgericht in einem Kündigungsschutzprozess leicht den Eindruck erwecken kann, dass an der Abmahnung etwas „dran war“.

 

Eine Klage kann mit einem Risiko verbunden sein

 

Im Übrigen besteht bei einer Klage immer auch ein (Rest-)Risiko, den Prozess doch zu verlieren. Sie können sich nie sicher sein, was die vom Arbeitgeber benannten Zeugen und was Ihre Zeugen aussagen werden. Zumindest werden die Zeugen unter einem erheblichen Druck stehen, denn Sie arbeiten ja weiter im Betrieb. Verlieren Sie aber den Prozess, steht im Urteil, dass Sie zu Recht abgemahnt worden sind.


Unser Tipp:

Formulieren Sie Ihre Gegendarstellung möglichst sachlich und ohne Emotionen.

Mitunter reicht schon eine Gegendarstellung

 

Eine unberechtigte Abmahnung sollten Sie deshalb zumindest mit einer Gegendarstellung „beantworten“ und sie sachlich und am besten ohne viele Emotionen formulieren. Sonst provozieren Sie u. U. weitere Reaktionen Ihres Arbeitgebers. Ihre Gegendarstellung sollte zudem nur Ausführungen zu Ihrem angeblichen Fehlverhalten enthalten. Passen Sie auf, dass Sie dem Arbeitgeber mit Ihrer Gegendarstellung keine Angriffsfläche bieten. Vermeiden Sie deshalb nach Möglichkeit Widersprüche in Ihrem Schreiben oder zwischen ihm und den Angaben anderer Personen. Vermeiden sollten Sie auch Formulierungen aus denen Ihr Arbeitgeber solche Widersprüche konstruieren könnte.

 

Formale Mängel sollten Sie in Ihrer Gegendarstellung besser gar nicht erwähnen

 

Formale Fehler, wie unklare Formulierungen bei der Darstellung Ihres angeblichen Fehlverhaltens oder das Fehlen eines oder mehrerer Bestandteile einer Abmahnung sollten Sie in Ihrer Gegendarstellung auf gar keinen Fall erwähnen. Sonst wiederholt Ihr Arbeitgeber womöglich die Abmahnung, dann allerdings ohne Fehler. Falls Sie unsicher sind, können Sie sich beraten und Ihre Gegendarstellung auch von einem damit vertrauten Fachanwalt für Arbeitsrecht entwerfen lassen. Sie können Sie dann unter Ihrem eigenen Briefkopf zur Personalakte reichen, sodass Ihr Arbeitgeber möglicherweise gar nicht merkt, dass Sie sich anwaltlich haben beraten lassen.

 

Manchmal lohnt sich eine Klage nicht

 

Wie Sie sehen, ist es fast immer am klügsten, nicht gegen eine Abmahnung zu klagen. Empfehlenswert kann dies bspw. sein, wenn Sie sich gegenüber dem Arbeitgeber „behaupten“ oder „wehren“ wollen oder müssen.

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