Typische Fehler einer Abmahnung

Unser Tipp:

Beim Abmahnen machen Arbeitgeber immer wieder Fehler, schauen Sie genau hin.

Erschrecken Sie nicht zu sehr, wenn Sie eine Abmahnung erhalten. Prüfen Sie stattdessen lieber, ob überhaupt eine wirksame Abmahnung vorliegt. Eine wirksame Abmahnung, eine fehlerhafte reicht nicht aus, ist regelmäßig Voraussetzung für eine verhaltensbedingte Kündigung. Deshalb stellen die Arbeitsgerichte an die Wirksamkeit von Abmahnungen hohe Anforderungen. Sie prüfen sowohl in einem etwaigen Prozess um die Entfernung der Abmahnung aus der Personalakte als auch in einem möglichen späteren Kündigungsschutzprozess sehr genau, ob die einzelnen Voraussetzungen einer Abmahnung vorliegen. Dabei zeigen sich immer wieder folgende typischen Fehler:

Nicht alles, was dem Arbeitgeber nicht gefällt, ist eine Pflichtverletzung

 

Unwirksam ist eine Abmahnung natürlich dann, wenn der Arbeitnehmer gar nicht gegen seine Pflichten vorstoßen hat, etwa weil sich der Vorfall nicht so zugetragen hat, wie er in der Abmahnung dargestellt ist. Außerdem kommt es immer wieder vor, dass der Arbeitnehmer mit seinem Verhalten gar nicht gegen seine arbeitsvertraglichen Pflichten verstoßen hat.

 

Beispiele:

 

Der Arbeitgeber rügt, dass der Arbeitnehmer die Umsatzvorgabe des Arbeitgebers nicht erreicht hat.

 

Der Arbeitgeber beanstandet ein außerdienstliches (privates) Verhalten.


Wichtig!

Nach längerer Zeit kann der Arbeitgeber oft nicht mehr beweisen, dass der Abgemahnte sich falsch verhalten hat.

Arbeitgeber vergessen manchmal, dass sie später alles beweisen müssen

 

Schwierigkeiten hat der Arbeitgeber auch, wenn er Ihr von ihm gerügte Verhalten nicht sorgfältig aufgeklärt oder dokumentiert hat, denn in einem etwaigen späteren Prozess muss er Ihr Fehlverhalten beweisen. Das gilt sowohl für einen möglichen Prozess um die Entfernung der Abmahnung aus der Personalakte als auch für einen späteren Kündigungsschutzprozess. Gelingt dem Arbeitgeber dieser Beweis nicht, so verliert er den Prozess. Das kommt immer wieder vor, wenn sich die von ihm benannten Zeugen nicht, nicht mehr oder nicht mehr genau genug erinnern. Das kann insbesondere in einem viel späteren Kündigungsschutzprozess leicht passieren.

Pauschale Vorwürfe reichen nicht

 

Weil eine Abmahnung dem betroffenen Arbeitnehmer die Möglichkeit geben soll, sein Verhalten zu ändern, muss das beanstandete Verhalten darin präzise und aus sich heraus verständlich dargestellt werden. Der Arbeitnehmer soll beim Lesen der Abmahnung sofort erkennen, was er ändern und wie er sich künftig verhalten soll. Daher ist eine Abmahnung unwirksam und kann nicht die Grundlage für eine spätere Kündigung sein, wenn darin lediglich pauschale Vorwürfe erhoben werden.

 

Beispiele:

 

„Sie waren wiederholt unpünktlich.“

„Sie arbeiten nicht sorgfältig genug.“

„Sie haben wiederholt gegen unsere Arbeitsanweisungen verstoßen.“

„Sie waren betrunken.“

 

Die Beschreibung muss aus sich heraus verständlich sein

 

Unwirksam ist eine Abmahnung aber auch dann, wenn die Darstellung des Sachverhalts nicht aus sich heraus verständlich ist, etwa weil darin auf ein vorangegangenes Gespräch verwiesen wird.

 

Beispiel:

 

„Wie schon am vergangenen Montag im Einzelnen besprochen, haben Sie bei der Befüllung von Tank 7 nicht aufgepasst.”

 

Selbst wenn das genaue Fehlverhalten des Arbeitnehmers in jenem Gespräch erörtert worden ist, genügen derartige Angaben in einer Abmahnung nicht den Anforderungen der Arbeitsgerichte. Eine solche Abmahnung ist deshalb per se unwirksam.

  • Es fehlt ein eindeutiger Hinweis auf die Verletzung Ihrer vertraglichen Pflichten.
  • Sie werden darin nicht aufgefordert, Ihr Verhalten zu ändern.
  • Für den Wiederholungsfall werden Ihnen keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen angedroht.
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Bedeutung

 

Eine Abmahnung muss vom Personalverantwortlichen oder vom Dienstvorgesetzten des betroffenen Arbeitnehmers ausgesprochen werden. Deshalb ist bspw. eine von einem unzuständigen Bereichsleiter unterschriebene Abmahnung ist nicht wirksam.

 

Häufiger Fehler

 

In der Praxis passiert es bspw. bei einer unklaren Verteilung der Kompetenzen im Betrieb oder bei einer krankheits- oder urlaubsbedingten Abwesenheit des Abmahnungsberechtigten immer wieder, dass die Abmahnung vom Falschen unterschrieben wird.

 

Das sollten Sie tun

 

Ein erfahrener Rechtsanwalt für Arbeitsrecht wird Ihnen empfehlen, dies nicht zu rügen. Denn wenn Sie es tun, wird Ihr Arbeitgeber die Abmahnung höchstwahrscheinlich wiederholen und dann hat sie der Richtige unterschrieben und sie ist wirksam.

Nehmen Sie eine fehlerhafte sog. Sammelabmahnung hin.

Begriff

 

Rügt der Arbeitgeber in einer Abmahnung mehrere angebliche Fehler, spricht man von einer „Sammelabmahnung“.

 

Häufiger Fehler

 

Wenn auch nur einer der darin enthaltenen Vorwürfe nicht zutrifft, ist die Abmahnung insgesamt unwirksam. Das kommt bei solchen Sammelabmahnungen immer wieder vor.

 

So reagieren Sie richtig

 

Trotzdem sollten Sie nichts unternehmen. Sonst besteht das Risiko, dass Ihr Arbeitgeber die (Sammel-)Abmahnung zurücknimmt und stattdessen mehrere einzelne (wirksame) Abmahnungen ausspricht. Lassen Sie sich lieber in einer Kanzlei für Arbeitsrecht beraten. Ein erfahrener Anwalt für Arbeitsrecht kann Ihnen meist direkt sagen, was Sie am besten tun.

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